AG Hermeskeil zur Berechnung der Verjährungsfristen im Bußgeldverfahren

von | 2020-10-05T19:11:01+02:00 08. Oktober 2020|Straf- und OWi-Recht|0 Kommentare

Der Betroffene soll am 20.06.2019 eine Verkehrsordnungswidrigkeit (Geschwindigkeit) begangen haben. Hierzu wurde er schriftlich am 23.07.2020 an seiner Büroadresse und später nochmals an seiner Privatanschrift angehört. Der Bußgeldbescheid wurde am 23.10.2020 erlassen. Das AG Hermeskeil meint: Verjährung ist eingetreten. Eine zweite Anhörung könne die Verjährung nicht nochmals unterbrechen. Nach der Unterbrechung am 23.07.2020 durch die erste Anhörung sei mit Ablauf des 22.10.2020 Verjährung eingetreten.

AG Hermeskeil, Beschluss vom 14.08.2020 – OWi 8112 Js 854/20

1. Das Verfahren wird endgültig eingestellt gem. § 206a Abs.1 StPO.

2. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse.

Der Betroffene hat seine notwendigen Auslagen selbst zu tragen.

Gründe:

Das Verfahren wurde eingestellt, da einer weiteren Strafverfolgung des Betroffenen die Verjährung entgegensteht. Abweichend von § 31 Abs. 2 Nr. 4 OwiG verjähren Straßenverkehrsordnungswidrigkeiten vor dem Erlass des Bußgeldbescheides gemäß § 26 Abs. 3 StVG i.V.m. § 24 Abs. 1 StVG innerhalb von drei Monaten. Die dem Betroffenen zur Last gelegte Tat ereignete sich gemäß dem Bußgeldbescheid am 20.06.2019. Dem Betroffenen wurde mit Schreiben vom 23.07.2020 unter seiner Kanzleiadresse ein an ihn gerichteter Anhörungsbogen übersandt, welcher gemäß § 33 Abs. 1 Nr. 1 OwiG zu einer Unterbrechung der Verjährung führte, sodass ab diesem Zeitpunkt eine weitere Frist von drei Monaten bis zum Eintritt der Verjährung lief. Diese Frist endete am 22.10.2020. Auf die Verfolgungsverjährung sind die Regelungen zur Fristberechnung aus §§ 42, 43 StPO nicht anwendbar. Stattdessen ist bei der Berechnung der Frist der Tag, auf den das Ereignis fällt, welches zur Verjährungsunterbrechung führt, mit einzurechnen. Die Verjährungsfrist endet daher mit Ablauf des Tages, der seiner kalendermäßigen Bezeichnung nach dem Tag vorausgeht, auf den das für den Verjährungsbeginn maßgebliche Ereignis fällt (Mitsch in Münchener Kommentar zum Strafgesetzbuch, 4. Auflage 2020, § 78 StGB, Rn. 20). Diese für die Verfolgungsverjährung gemäß §§ 78 ff. StGB anzuwendenden Regelungen, finden auch im Bußgeldverfahren entsprechend Anwendung (OLG Karlsruhe Beschluss vom 28.6.2019, 2 Rb 8 Ss 486/19). Zwar wurde dem Betroffenen unter seiner Privatadresse mit Schreiben vom 26.08.2020 ein weiterer Anhörungsbogen zugesandt, doch führt die Wiederholung einer Maßnahme gemäß § 33 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 OwiG nicht zu einer erneuten Unterbrechung der Verjährung (OLG Braunschweig , Beschluss vom 10.10.2007 – Ss OWi 95/0). Der Bußgeldbescheid wurde am 23.10.2020 erlassen. Da die Verjährung jedoch bereits am 22.10.2019 eingetreten war, konnte er nicht mehr rechtzeitig eine weitere Unterbrechung der Verjährung herbeiführen. Der Betroffene

Vielen Dank an Frau Rechtsanwältin Monika Zimmer-Gratz, Bous, für die Überlassung der Entscheidung.

Einen Kommentar schreiben

WP2Social Auto Publish Powered By : XYZScripts.com